Cachen an der Mosel – Urlaub in Zell

Veröffentlicht: November 19, 2011 in Auf Caching-Tour, In eigener Sache, Unterwegs

Diesen Herbst hat es uns an die Mosel verschlagen. Genauer gesagt nach Zell, einem kleinen märchenhaften Städtchen, das in einer der zahlreichen Moselkurven gelegen ist. In unserer viel zu kurzen Urlaubswoche sind wir viel gewandert, haben viel gelernt, entdeckt, Spaß gehabt und nette Menschen kennengelernt. Besonders reizvoll sind hier die zahlreichen Wanderwege und -touren, die einen durch wunderschöne Landschaften und Weinberge führen und gleichzeitig viele Gelegenheiten bieten, Burgen und Ruinen zu entdecken. Bereits in der Vorrecherche weckten insbesondere Fotos und Berichte über sogenannte Kletterpfade und -steige mein Interesse, die auf unbefestigten Pfaden und Wegen durch Weinberge einiges vom Wandernden abzuverlangen schienen.

Und natürlich hatten wir einige der Unmengen an Caches auf dem Zettel, die hier vor allem im berühmt berüchtigten Field of Fame als ein Dosenteppich über mehrere Quadratkilometer ausgelegt sind. Die Funde hielten sich dann nach unserem Urlaub mit läppischen fünf (gefundenen) in Grenzen, da wir uns bei der Wahl nach Ausflugszielen doch eher auf die touristischen Attraktionen konzentrierten. Aber die Caches, die wir gemacht haben, hatten aufgrund von Terrainwertung, Schwierigkeit oder Location einen sehr hohen Spaßfaktor zu bieten, selbst die Multis, die wir angefangen aber schlussendlich doch nicht ganz zu Ende gebracht hatten.

Weitere Fotos gibt es hier zu sehen: Zell an der Mosel

Kletterpfade – Höhenangst und schwindelfrei

Zur Einleitung: Die höchsten Geländeerhebungen meiner Heimat sind allenfalls Deiche – darauf haben sich meine norddeutschen Sinne über viele Jahre hinweg eingestellt und entsprechend lösen sie bei allem was höher ist zuverlässig Schwindel und Schweißausbrüche aus.

„Achtung: Begehen auf eigene Gefahr. Nur für geübte Wanderer. Schwindelfreiheit erforderlich. Trittsicherheit erforderlich.“ Solche Hinweise findet man hier und da an diesen Kletterpfaden und dann denke ich: „Gefahr – nun, das ist Marketing des hiesigen Tourismusvereins. Geübte Wanderer – jo, passt. Schwindelfreiheit – hm, das könnte ernst werden, mal gucken was der nächste Punkt ist. Die positive Punktzahl im Gesamtergebnis entscheidet. Trittsicherheit – verdammt! Das ist durch mangelnde Schwindelfreiheit ja praktisch ausgeschlossen. Pattsituation.“ Die bessere Hälfte rennt schon mal entschlossen vor. „Ja hat sie denn das Schild nicht gelesen …?“

Soweit ein solcher Hinweis am Anfang eines der sogenannten Steilpfade oder Kletterstiege angezeigt war, sollte er sich im Verlauf der Wanderung tatsächlich als berechtigt erweisen. Eine Kletterausrüstung wird trotzdem in keinem Fall benötigt. Als gutes und sehr spaßiges Beispiel soll der Collis Klettersteig genannt sein, der über einen mal felsigen, mal mit rutschigem Schiefergestein oder Sand bestückten Steilpfad durch Weinberge und (für mich) anspruchsvollen Kletterpassagen an Felswänden mit Eisenstiegen in ungesicherte Höhe einiges abverlangt, dabei je nach Marschtempo auch konditionell ordentlich auf die Pumpe geht. Sympathisch: Es gibt hier stets einfachere Alternativwege, die auch mit dem Hund bewältigt werden können. Die Mühen werden mit grandiosen Aussichten auf fantastische Landschaften belohnt.

Selbst unsere treppenscheue Labradorhündin hat hier unerwartet alle Passagen mit Begeisterung gemeistert. Hundebesitzern kann ich trotzdem nur empfehlen, mit einem absolut sicher geführten, parierenden Tier die Strecke zu wagen. Ein an der Leine ziehender Hund kann hier lebensgefährlich sein (kein Marketing-Gang). Auch Kinder sollten hier in jedem Fall „trittsicher“ sein. Selbst auf nicht explizit ausgewiesenen Wegen erwartet einen schon einmal die eine oder andere kniffelige Passage.

Wir waren in weit weniger als einer halben Stunde oben – und das gleich zwei Mal. Beim ersten Mal sind wir an einem Sonntagnachmittag los und wollten eigentlich nur zwei Dosen auf der Strecke machen. Sonntag war keine gute Idee, die Gegend schien die Muggels geradezu aus Felsspalten und Gebüschen herauszuspeien. So genossen wir „nur“ die schöne Aussicht und, oben angekommen, ein wohl temperiertes Glas „Zeller Schwarze Katz“ (der Kiosk hat nur Sonntags auf). Beim nächsten Anstieg gingen wir auf Nummer sicher: An einem Donnerstag Morgen gegen 9:00 Uhr machten wir uns auf den Weg. Zell selbst war noch von starkem Nebel verhangen, genau wie der steile Weg bergauf. Oben angekommen, bot sich uns ein grandioser Ausblick auf eine von heller Sonne beschienenen sich auflösende Wolkenlandschaft, die nach und nach Weinberge, Zell und die Mosel freigab.

Noch schönere Aussichten auf die Mosel bietet der Calmont Klettersteig bei Bremm. Hier kommt man mit Hund (je nachdem, welchen Weg man nimmt) nicht mehr weiter. Wir entschieden uns daher für den hundefreundlichen Rundweg mit dem vertrauenerweckenden Namen „Todesstieg“ über die Gebirgsrücken, der uns sensationelle Ausblicke aus luftiger Höhe auf die Mosel sowie Gelegenheit zur Besichtigung einer wieder aufgebauten römischen Tempelanlage bot.

Caches – Punktejagd und tatsächliche Funde

Als Cacher reist man an die Mosel, weil man an tollen Wanderungen, Landschaften, Burgen und Weinen interessiert ist und/ oder am Punktesammeln im Field of Fame, kurz FoF. Hierbei handelt es sich um ein Dosengebiet, in dem gefühlte zig 100 Caches an Caches im erlaubten Mindestabstand in der Landschaft verteilt herumliegen. Der Anspruch variiert in Schwierigkeit und Gelände von bis, was die gezielte Auswahl für potentielle Touren nicht einfach macht. Hinzu kommt: Man steht in der Landschaft, schaut auf sein GPS-Gerät und sieht, prima, 300m Luftlinie, da liegt der nächste Cache. Oftmals ist dann aber Pustekuchen, da aufgrund der Landschaft und der verschieden stark ausgeprägten Höhenprofile nicht direkt ranzukommen ist. Wir sind natürlich mit dem Vorsatz an die Mosel gereist, hier massig Punkterunden zu absolvieren – konzentrierten und dann aber doch auf Caches, die entweder vielversprechende Aussichten zu bieten hatten, gute Favoritenbewertungen aufwiesen oder einfach nur gerade in der Nähe lagen (zumindest auf den ersten Blick). Im Einzelnen waren das

  • Marienhöhe Zell (GC2ZA81): Sehenswerte, geradezu mystische Location!
  • Don’t waste your time (GC336FP): Lag sozusagen auf dem Weg – Kapelle unbedingt mitnehmen. Schöne Aussicht vom Cache aus.
  • „Collis“ Steilpfad (GC1FHXN): Mit 4 Terrain-Punkten mein nervliches Highlight. Das Gelände selbst ging ja noch, aber die Höhe …
  • Collis-Turm (GCTDY2): Unser erste DNF. Trotzdem schöne Aussicht, vor allem beim zweiten Aufstieg in den Morgenstunden.
  • Zeller Schwarze Katz (GCJN6F): Ein „Muss“ im Urlaub in Zell. Schöner Multi-Rundgang mit anspruchsvollem Weg zum Final. Nicht gerade im Dunkeln zu empfehlen.
  • Panorama (GC26K82): Auf unserem Calmont-Weg mitgenommen.
  • Mont Royal (GCTGWR): Tja, Difficulty 4 Sterne – die kamen erst am Schluss zum tragen. Hier haben wir uns vergeblich die Zähne bis auf die Kieferknochen ausgebissen. Wir kommen wieder 😉 Hat trotzdem großen Spaß gemacht und sehenswerte Location!

Moselwein als „deutsches“ Kulturgut – wie lange noch?

Wir haben viel über den Wein gelernt , dass ein trockener Wein max, 9gr Restsüße haben darf, Sekt oder Champagner hingegen mehr. Die „Zeller Schwarze Katz“ ist hier der Wein-Klassiker schlechthin, der unbedingt verköstigt werden muss. Hierzu hat man in den zahlreich angebotenen Weinproben gute Gelegenheit.

Aber: Für mich geradezu erschreckend war die Erkenntnis um die wirtschaftliche Situation und damit um die nicht gerade rosige Zukunft des „deutschen“ Kulturgutes Weins an sich: Brache Flächen haben an der Mosel nichts mit „Bodenerholung“ (wie man es bei uns aus der Landwirtschaft kennt) zu tun, sondern sind Folge einer stagnierenden Bewirtschaftung. Von diesen kahlen oder verwilderten Flecken in den Weinbergen gab es viel zu viele. Die Ursachen sind vielfältig:

  • Viele Familienbetriebe finden keine Nachfolger, da jüngere Generationen ihr Glück in städtischen Regionen mit zukunftssicheren Jobs suchen. Die Folge: Weinberge verwahrlosen und verwildern im wahrsten Sinne des Wortes und gefährden mit dadurch begünstigtem Schädlings- und Pilzbefall die angrenzenden Weinanbauflächen.
  • Die Wirtschaftlichkeit der Winzereien und des Weingeschäftes wird durch EU-Konkurrenz und -gesetze ausgebremst. So gibt es z.B. maximal zulässige Verkaufsmengen pro Jahr, die Wachstum und Kostenersparnisse durch größere Mengen unmöglich machen.
  • Winzerei an den Steilhängen der Mosel ist zumeist Handarbeit. Auch wenn diese zum Großteil durch billige Arbeitskräfte aus dem Ausland eingekauft wird, haben maschinell bestellte Weinberge hinsichtlich der Faktoren Zeit und Kosten die Nase vorn.

Also denkt beim nächsten Bier zum Urwaldretten auch mal an heimische bedrohte Landschaften und kauft mal deutschen Wein!

Von Rittern und Unholden – Burgen

Empfehlenswert ist auf jeden Fall ein Besuch der Burg Thurant. Sehr verwinkelt und mit vielen Ecken zum Entdecken (inklusive Verlies mit echten Menschenskeletten) sollte man hier mindestens eine gute 3/4 Stunde Aufenthalt einplanen. Wir hatten das Vergnügen, die „Burgherrin“ kennenzulernen, die als touristische Betreiberin seit vielen Jahren mit der Familie auf der Burg lebt und abenteuerliche Geschichten von Besuchern zu erzählen wusste, die z.B. mal versucht hatten, eine original Ritterrüstung durch ein Burgfenster abzuseilen. Interessierte Urlauber haben übrigens die Möglichkeit, sich direkt auf der Burg eine Ferienwohnung zu mieten und das ritterliche Burgleben kennenzulernen – soweit das 21. Jahrhundert mit Warmwasser, Strom und Toilette es zulässt. Klasse Idee, auf die ich echt mal Lust hätte.

Ein wahres „Märchenschloss“ ist die Burg Eltz, heute noch in Besitz der Familie, deren Vorfahren hier schon seit Jahrhunderten lebten. Statt, wie für solche Bauten üblich auf einem hohen Hügel, ist diese Burg in einem schönen Tal mit Fluss gelegen. Viele Türme, eine reich ausgestatte Schatzkammer und viel Geschichte machen einen Besuch zum Pflichtprogramm (Caches sucht man hier übrigens vergebens). Zur Zeit werden umfangreiche Renovierungen durchgeführt, so dass wir leider keine Gelegenheit hatten, die Burg in voller Pracht ohne störende Gerüste sehen zu können – aber „wat mutt dat mutt“.

Übernachten – bei netten Leuten

Und jetzt ein bisschen Werbung: Übernachtet haben wir in der Ferienwohnung auf dem Weingut von Familie Bienert. Neben einem sensationellem Ausblick auf Mosel und Weinberge zeichnet diese Ferienwohnung die unmittelbare Nähe zum Ortskern aus, der in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist (praktisch zum Weintrinken am Abend 😉 ). Die Ferienwohnung selbst ist sehr großzügig, gepflegt und mit allem alltäglich Benötigtem ausgestattet. Nur W-LAN gibt es (noch) nicht. Alles zum fairen Preis-Leistungsverhältnis. Zudem verfügt sie über einen eigenen Weinkeller, der zugegebener Maßen nur im Beisein des Besitzers betreten werden kann. Herr und Frau Bienert sind sehr herzlich, ohne gleichzeitig „aufdringlich“ für norddeutsche Naturen wie mich zu sein. Familie Bienert bietet zudem eine Erlebnis-Weintour an, die auf ca. 5 km durch Stadt, Weinberge und privatem Weinkeller mit diversen Weinproben viele interessante Einblicke in Weinbau, Landschaft und lokale Geschichte gewährt. Unbedingt mitmachen, auch Nicht-Ferienwohnungsgäste können sich dazu anmelden. Wir würden beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder hier buchen. Übrigens kann man hier auch lecker Wein aus eigener Winzerei erwerben. Beste Grüße übrigens an dieser Stelle 🙂

www.ferien-weingut-bienert.de

Fazit

Oha, nun ist der Artikel aber um ein Vielfaches länger geworden, als ursprünglich geplant. Nun ja, möge es allen ein erster Anhaltspunkt für die Urlaubplanung mit dem Ziel „Zell an der Mosel“ sein – eine Reise ist es alle Mal wert!

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